Beitrag von Stefan Filip und Bernd Thier (Bayern) WMF-Nr. 10453 (= Menzel Nr. 384.1 und zu Nr. 385)
Heinrich Helmer, Ziegelei Almai, gegr. 1866 in Almai (Allmai) bei Kempten im Allgäu in Bayern

VS: MARKE | 6 (im Schnurkreis) | KREUZER (im Perlkreis im Stabrand)
RS: ZIEGELEI ALMAI | Heinr. | Helmer | Zierstrich | ∗ (im Perlkreis im Stabrand)
rund / Messing / ø 20,7 mm / Wendeprägung
Markentyp: Wertmarke
Hersteller: unbekannt (möglicherweise L. Chr. Lauer, Nürnberg)
Datierung: 1866/1867, verwendet bis 1871/1873 oder 1876
Sammlung: SF
Literatur: Menzel (digitale Ausgabe 2022): Nr. 384.1; WMF (Hefte): /
Im Katalog von Peter Menzel (2022) werden unter den Nummern 384.1 und 385 .1-2 drei Marken einer Ziegelei von H. (bzw. Heinr.) Helmer in Almai zu 1, 3 und 6 Kreuzern aus Messing erwähnt. Die genaue Lage des offenbar winzigen Ortes „Almai“ konnte damals allerdings nicht aufgelöst werden.
Bereits 1990 wurde ein Exemplar im Numismatischen Nachrichtenblatt (Heft 9/1990, S. 238) unter „Unbekannten Marken“ vorgestellt, ein anderes Beispiel 2012 im gedruckten Heft des Wertmarkenforums (WMF, 18. Jg. Ausg. 2, S. 14, Nr. 7105).
Da sich zumindest ein prägefrisches Exemplar des 1-Kreuzer-Stückes ehemals in der Sammlung Horn befunden hat, in der u. a. die Präge-Restbestände der Prägeanstalt L. Chr. Lauer in Nürnberg vorhanden war, könnte die Herstellung dort erfolgt sein.
Neuere Recherchemöglichkeiten führten zu einer konkreten Spur des ehemaligen Ausgabeortes: Möglicherweise könnte es sich um den heutigen Stadtteil Stiftsallmay von Kempten im Allgäu handeln, in dem es früher auch eine Ziegelei gab. Und tatsächlich fand sich online im Adressbuch des Handelsregister des Königreichs Bayern von 1872 ein Heinrich Helmer als Gewerbetreibender in Almai bei Kempten.
Die Suche in digitalen Datenbanken historischer Tageszeitungen brachte dann konkrete Treffer und Hinweise:

Demnach eröffnete Heinrich Helmer im Mai 1866 in Almai bei Kempten eine Ziegelei, der wenige später eine weitere in Hiltesberg bei Sulzberg folgte. Bereits 1876 gingen die Betriebe in Konkurs, die Liegenschaften und Besitztümer wurden versteigert:

vom 24. Oktober 1876 (Nr. 247)
Da die Marken der Ziegelei in Almai noch die Kreuzer-Währung zeigen, wurden sie vor der Einführung der Mark im Deutschen Kaiserreich 1871 bzw. 1873 hergestellt, vermutlich direkt nach der Einrichtung der Ziegelei um 1866/1867. Unklar ist, ob die nach der Einführung der Mark weiterverwendet, oder bereits damals ungültig wurden. Möglicherweise dienten sie (ggf. teilweise) zur Entlohnung der Ziegeleiarbeiter im Rahmen des sogenannten „Trucksystems“ (von englisch to truck „eintauschen“). Diese Ende des 18. Jahrhunderts aufgekommene Entlohnung von Arbeitnehmern durch Waren, die beispielsweise Lebens- und Genussmittel sein können, insbesondere die Praxis, als Arbeitgeber seine Arbeitnehmer mit Waren aus der eigenen Produktion zu entlohnen oder in Form von Gutscheinen (oder eben Wertmarken), was zu dieser Zeit eigentlich bereits verboten (Quelle: WIKIPEDIA). Nach dem Konkurs der Ziegelei dürften sie spätestens 1876 außer Kurs gesetzt worden sein.
Suchbegriffe: Ziegelei Almai Heinr. Helmer 6 Kreuzer
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