Wertmarkenfunde aus dem Uferkies des Rheins in Köln

Foto: Bernd Thier

Beitrag von Bernd Thier

Wertmarken werden schon seit langer Zeit gesammelt. In der Regel stammen die vorliegenden Stück aus dem Münzhandel, vom Flohmarkt oder man erhält sie im Tausch von anderen Sammlern. Diese Marken haben sich daher seit Jahrzehnten oder auch seit Jahrhunderten irgendwo erhalten, wurden nicht verloren oder weggeworfen sondern absichtlich oder zufällig aufbewahrt.

Seit dem Beginn des Online-Handels über Auktionsplattformen wie z.B. Ebay, in Deutschland seit 1999, ist auch diese Bezugsmöglichkeit für Sammlungsobjekte, eben auch für Marken und Zeichen, gegeben.

Seit etwa der gleichen Zeit werden Münzen und auch – in geringerer Zahl – Wertmarken mit Metalldetektoren von Sondengängern geborgen. Diese archäologisch entdeckten Fundstücke unterliegen besonderen Kriterien, denn als Bodenfunde geben sie, zusätzlich zu ihrer reinen Existenz als antiquarisches bzw. numismatisches Objekt oder Sammlungsstück, durch ihren Fundort und auch durch die genauen Fundumstände (Befunde) wichtige Rückschlüsse auf vergangene Prozesse. Archäologische Funde sind übrigens meldepflichtig, auch die Funde von Münzen und ggf. auch von alten Marken und Zeichen (s.u.). Bei den Marken kommen besonders numismatische Fragestellungen hinzu.

Derartige Fundstücke werden nun oft auch – aus dem historischen Zusammenhang gerissen und ohne Fundortangabe – im Internet zum Kauf angeboten. Für die Forschung sind hierbei wichtige Informationen verloren gegangen, und dies gerade bei Marken und Zeichen aus zwei Gründen:

Bei Marken, deren Ausgabestelle und Ausgabeort unmittelbar angegeben oder bekannt sind, ist es spannend zu wissen, wo solche Stück genau gefunden wurden. Denn eigentlich war ihr Umlauf immer auf einen sehr speziellen Ort, eine Stadt, auf eine Gaststätte, ein Hotel, einen Tanzbetrieb, eine Firma oder eine Kantine etc. beschränkt. Findet man solche Marken nun an anderen Orten oder sogar in anderen Ländern lassen sich interessante Rückschlüsse ziehen, die zwar in der Regel mehr Fragen aufwerfen, aber immerhin zum Nachdenken und nachforschen anregen.

Zum anderen können archäologisch – gut dokumentierte – Funde von Marken, zu denen, wegen fehlender Angaben auf den Stücke selbst, keine Hinweise zum Ausgabeort vorliegen, durch den exakten Fundort wiederum Hinweise liefern, wo nun genau nach den ausgebenden Stellen gesucht werden kann. Solche Marken sind in der Regel ansonsten niemals zu bestimmen. Durch die unbedachte Weitergabe ohne Provenienzangabe sind sie für die Forschung eher unbrauchbar und uninteressant.

Umso erfreulicher ist es, das uns zur Bearbeitung eine Reihe von Marken zur Verfügung herstellt wurden, die im Laufe der Zeit im Uferkies entlang des Rheins in Köln geborgen werden konnten. Durch die Strömung und auch durch Baggerarbeiten an der Uferbefestigung wurde dieser Kies und damit auch die darin gefundenen Marken, immer wieder umgelagert. Damit sind keine exakten archäologischen Fundzusammenhänge gegeben, aber der Fundort Köln ist garantiert. Wie die Marken nun im Einzelfall in den Rhein gelangten ist nicht nachzuvollziehen. Sie könne im Uferbereich verloren gegangen, von Fährschiffen vermutlich in den meisten Fällen aber von einer der Rheinbrücken geworfen worden sein. Hierbei kann es sich um eine einfache Entsorgung gehandelt haben, weil man die Stücke nicht mehr brauchte oder sie inzwischen ungültig geworden waren. Vielleicht war es aber auch ein Brauch, der Glück bringen sollte.

Das Spektrum der vorliegen Marken reicht von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. So fanden sich neben Marken von Autowaschanlagen aus Köln-Longerich auch eine eher als Medaille anzusprechende „Münze“ eines Bitcoin, einer rein digitalen Währung, zu der aber münzähnliche Marken – ohne einen realen Wert – hergestellt wurden.

Bitcoin, medaillenförmige Marke, datiert 2013, Eisen, kupferplatiert, ø 40,0 mm, Stärke 3,5 mm, Rand geriffelt, Wendeprägung
Foto: Bernd Thier

Vielleicht ist dies der erste archäologische Fund eines Bitcoins überhaupt.

Viele der Marken sind stumm, anonym und nicht weiter bestimmbar, da jegliche weiteren Angaben, die Hinweise liefern könnten, fehlen. Manche Stück sind so stark korrodiert, das die geprägten Um- oder Inschriften nicht mehr lesbar sind. Es kommen jedoch mehrere Marken mit der Ortsangabe Cöln / Köln vor, die bislang in der einschlägigen Literatur unbekannt sind.

Man findet auch „alte Bekannte“, wie eine stark korrodierte Fährmarke des Dampfschiffes Kaiser Wilhelm aus der Zeit zwischen 1870 und 1901:

Foto: Bernd Thier

VS: CÖLN-MÜLHEIMER-LOKAL-DAMPFSCHIFFFAHRT |*| KAISER | WILHELM | Abb. Ornament
RS: CHR. MUSMACHER & COMP. |Abb. Segel-Raddampfer in Wellen
Messing, stark korrodiert, daher kupferfarben / rund / ø 23,3 mm (starker Korrosionsverlust!) / Stärke 0,83 mm (starker Korrosionsverlust!) / Wendeprägung
Literatur: Fritz (2016), Köln Nr. 04; Menzel (2018) Nr. 16800.4
Anmerkung: Das Dampfschiff „Kaiser Wilhelm“ verkehrte von 1870 bis 1901 auf dem Rhein und hieß bei Indienststellung 1870 zunächst „König Wilhelm“.

Diese Marken stammen nun alle eindeutig aus Köln. Der Fund einer Empfehlungsmarke, einer Art metallener Visitenkarte aus der Zeit um 1860, die einer Firma aus Lüdenscheid, die zusätzlich eine Dependance in Berlin hat, zuzuordnen ist, weist darauf hin, dass nicht alle im Uferkies des Rheins in Köln gefundenen Marken auch tatsächlich ursprünglich aus Köln stammen müssen. Sie wurden aber dort irgendwann verloren oder entsorgt!

Besonders interessant sind nun aber Marken ohne Ortsangabe mit Personen- oder Firmennamen und solche, bei denen lediglich Initialen eingeschlagen wurden. Hier ergibt sich nämlich die Möglichkeit und in vielen Fällen auch die Wahrscheinlichkeit, dass sie aus Köln stammen. Von vielen Marken liegen auch mehrere Exemplare vor, was die Wahrscheinlichkeit erhöht.

Nach und nach werden nun die aussagefähigen Marken im Wertmarkenforum vorgestellt werden. Sie lassen sich dann über das Stichwort Uferkies zusammenstellen.

Eine Bitte an alle Finder von archäologischen Objekten, Münzen und Marken:
Melden Sie diese Funde den in Ihren Bundesländern zuständigen Bodendenkmalpflegbehörden!
Eine Liste finden Sie hier.

Bei der Bestimmung von unbekannten Marken sind wir Ihnen und auch den Kollegen in den Denkmalämtern oder Münzkabinetten gerne behilflich.


24. März 2020

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