Berlin: Fabrik Sanitärer Specialitäten Paul Monhaupt (Wertmarke)

(Berlin) WMF-Nr. 10355 (= Ergänzung zu Menzel Nr. 43521.1 / Ausgabeort ermittelt) – Beitrag von Bernd Thier

Foto: Jonas Reichert

Paul Monhaupt, Fabrik sanitärer Spezialitäten, Abteilung A: Monhaupt´s Original-Citronensaftkur / Abt. B: Kohlensäure Bäder, Neu Schönhauser Alle 177b, II. Stock, Berlin

VS: WERTH-MARKE | 10 | P. MONHAUPT (eingeschlagen) (im Perlkreis im Stabrand)
RS: 10
(im Perlkreis im Stabrand)
rund / Messing / ø 18,9 mm / Stärke 0,99 mm / Wendeprägung
Markentyp: Wertmarke

Hersteller: unbekannt
Datierung: ca. 1897-1905
Sammlung: JR / Meldung: Bernd Thier
Literatur: Menzel (digitale Ausgabe 2018): Nr. 43521.1 (ohne Ortszuweisung); WMF (Hefte): /

Die Identifizierung von Wertmarken ohne Ortsanagabe, vor allem bei solchen, die lediglich eingepunzte Bezeichnungen in sonst stummen Marken aufweisen, ist ohnehin schon schwierig. Sind die Angaben dann auch noch unvollständig bzw. schwer zu lesen, könnte man meine wäre dieses Unterfangen zwecklos. Es gibt aber immer wieder auch Gegenbeispiele, bei denen sowohl die Vorzüge digitaler Publikationen als auch die inzwischen enormen Datenbanken im Internet eine große Rolle spielen:

Am 7. Juni 2020 fand Jonas Reichert eine stark korrodierte Wertmarke mit Hilfe eine Metalldetektors. Auf die wichtige Bedeutung solcher Bodenfund für die Bestimmung unbekannter Wertmarken wurde bereits bei den Funden aus dem Uferkies des Rheins bei Köln ausführlich hingewiesen.

Herr Reichert wandte sich an uns: „Heute habe ich eine Werth-Marke gefunden, können Sie mir weiterhelfen woher sie stammen könnte? Leider ist die Prägung nicht vollständig.“ Den Fundort gab er nicht an. Zu lesen war auf der Marke neben der allgemeinen Angabe „WERTH-MARKE“, die auf eine eindeutige Datierung in das ausgehende 19. Jahrhundert (vor 1900!) weist, die eingeschlagenen Buchstaben „…ONHAUPT“. Die Anfangsbuchstaben waren kaum bzw. nicht eindeutig zu lesen. Diese spärlichen Hinweise ließen eine Recherche im Internet nicht sinnvoll erscheinen.

Der seit 2014 (in der neuen Auflage 2018) digital als PDF vorliegende Katalog von Peter Menzel bietet nun, neben der üblichen Recherche des Nachschlagens im Register die Möglichkeit der digitalen Suche, bei der auch Teile von Worten oder Namen gefunden werden, auch wenn man die ersten Buchstaben eines Wortes nicht kennt. Der einzige „Treffer“ ergab sich unter den Marken ohne Ortszuweisung: P. MONHAUPT (Nr. 43521.1). Auch alle anderen Angaben (WERTH-MARKE, Wert 10, Messing, Dm 19,4 mm) passen, so dass es sich um die gleiche Marken handeln sollte. Bei der Betrachtung des Fundstücke konnte man mit diesen Hinweisen auch das nur teilweise auf der Marke eingeschlagene P sowie den Punkt dahinter erkennen.

Den eher sehr seltenen Namen P. Monhaupt konnte man nun im Internet suchen und auch schnell finden (Googel-Books ist hier immer das erste Mittel der Wahl!), u.a. in der Berliner klinischen Wochenschrift, Band 35, 1898, in einer kleine Werbeanzeige. Die Nachfrage beim Finder ergab, dass die Marke tatsächlich am Stadtrand von Berlin auf einem Areal gefunden wurde, auf dem Anfang des 20. Jahrhunderts offenbar Abfall aus der Stadt planiert worden war. Dies bestätigte nun die Zuweisung der Marke zu dem in der Anzeige erwähnten P. Monhaupt in Berlin.

Die Adressbücher der Stadt Berlin stehen vollständig digital zur Verfügung, die Suche dort ergab folgende Informationen:

1895 ist P. Monhaupt noch nicht aufgeführt, 1896 betrieb er die Berliner Loofahwaren, Frottir- und Badeartikelfabrik in der Neu Schönholthauser Alle 177b, II. Stock. Der Begriff Loofahwarenartikel ist erklärungswürdig: Gemeint ist der Luffaschwamm, gewonnen auf dem Schwammkürbis (Luffa aegyptiaca, häufig auch Luffa cylindrica oder an das Lateinische angelehnt Luffa-Gurke), der zu den Kürbisgewächsen (Cucurbitaceae).

1897 wird Paul Monhaupt unter derselben Adresse dann allerdings bereits als Inhaber einer Fabrik sanitärer Spezialitäten, Abteilung A: Monhaupt´s Original-Citronensaftkur / Abt. B: Kohlensäure Bäder, genannt. In der Ausgabe 1899 (und erneut 1900) findet sich auch eine Werbeanzeige der Firma:

image-3826

Werbeanzeige aus dem Adressbuch für Berlin und seine Vororte, Ausgabe 1899, Quelle: https://digital.zlb.de/viewer/cms/141/

Diese Firma hatte allerdings nicht lange Bestand. 1905 wird Paul Monhaupt nur noch als Kaufmann erwähnt, als Inhaber des Paul Monhaupt-Zitronensaft-Versandgeschäftes unter der alten Adresse wird als Inhaber ein Dr. Max Pusch erwähnt. Monhaupts Vertrieb sanitärer Spezialitäten firmiert unter dem Name Valentine Monhaupt, vermutlich die Tochter oder Ehefrau von Paul Monhaupt. Beide Firmen scheine im Verlauf des Ersten Weltkrieges aufgegeben worden zu sein, im Adressbuch von 1915 erscheinen sie bereits nicht mehr.

Stellt sich die Frage nach der Verwendung dieser Marke in der „Fabrik“, die man sich in der II. Etage als vermutlich nicht sehr riesig vorstellen muss. Man kann hier nur spekulieren, aber möglich wäre es, das es in der Fabrik auch einen direkten Ausschank von Zitronensaft gab, der zur Versorgung mit Vitamin C eine wichtige Rolle bei den vielfach mangelernährten vor allem ärmeren Bewohnern spielte. Vielleicht bekam man für die Marke zu 10 Pfennig eben ein Glas Zitronensaft oder vermutlich eher daraus hergestellte Limonade. Der Preis entsprach dem eines Glases Bier, war aber deutlich gesünder.

Suchbegriffe: P. MONHAUPT Werth-Marke

Achtung: Hier eingefügte Links können nicht ständig überprüft werden, daher keine dauerhafte Garantie für deren Gültigkeit!
Sollten Sie einen funktionslosen Link finden würde ich mich über einen Hinweis unter info@wertmarkenforum.de freuen.


11. Juni 2020

Schlagworte:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Webdesign: Sebastian Stüber & Robin Thier