Kirchenmarken aus Meffersdorf, Schwerta und Volkersdorf aus dem Jahr 1800

Beitrag von Bernd Thier

Die Lektüre älterer bzw. besonders sehr alter numismatischer Zeitschriften kann manchmal interessante Hinweise auch zum Thema Marken und Zeichen ergeben, auch wenn früher, besonders im 19. Jahrhundert, dieses Thema nur selten behandelt wurde.

Herr Prof. Dr. Hubert Emmerig vom Institut für Numismatik und Geldgeschichte in Wien machte uns auf einen solchen Artikel in den Mittheilungen der numismatischen Gesellschaft in Berlin (1. Jg., 2. Heft, Berlin 1850, S. 119-120) aufmerksam. Ein Herr Schlickeysen publizierte damals einen sehr spannenden Beitrag über „Münzzeichen der Kirchen zu Meffersdorf, Schwerta und Volkersdorf„, dessen Inhalt nachfolgend zusammengefasst werden soll:

Herrn Rechnungsrat F.W.A. Schlickeysen war es ein Anliegen auf die Ausgabe von drei „Münzzeichen“ (Marken) in den drei Kirchen von Meffersdorf (Unięcice), Schwerta (Świecie) und Volkersdorf (Wolimierz) damals zum Kreis Lauban (Lubań) im Regierungsbezirk Liegnitz (Legnica) in Niederschlesien im Königreich Sachsen hinzuweisen. Heute liegen alle Ort in Polen.

Die Informationen zu den Ausgaben hatte er schriftlich von Superintendent Franz aus Schwerta erhalten: Im Jahr 1800 hatte der Kirchenpatron Adolf Traugott von Gersdorf (1744–1807), laut Auskunft der Kirchenrechnungen, für die Kirchen der oben genannten Orte, aufgrund eines massiven Kleingeldmangels in der Region, 4.000 Kirchenmarken“ aus Messing anfertigen lassen. Die Klingelbeutel-Erträge waren in den Jahren zuvor merklich zurück gegangen, was er auf den Mangel an sächsischen Pfennigen zurückführte. Angeregt wurde er durch Beispiele anderer Kirchenpatrone in Sachsen. Diese als Vorbild dienenden Marken waren aber schon 1850 unbekannt.

Nicht ganz deutlich wird ob für jede Kirche 4.000 Marken gefertigt wurden oder für alle zusammen, wahrscheinlich ist aber die Produktion von zusammen 12.000 Stück.

Ausgegeben wurden 15 dieser Marken für einen guten Groschen (= 1/24 Taler), die Marken selbst konnten dann bei der Kollekte in den Klingelbeutel geworfen werden. Schon um 1850 hatten sich dieses Stücke „im Publikum fast gänzlich verloren“, waren daher kaum noch bekannt. Lediglich ein Exemplar der Kirche zu Schwerta lag Schlickeysen vor.

Die Anfertigung habe für jede Kirche 11 Taler, 7 Silbergroschen und 6 Pfennige betragen, wofür 11 Thaler, 3 Silbergroschen und 4 Pfennige wieder vereinnamt wurden.

Pastor Miessig aus Volkersdorf wies Schlickeysen noch darauf hin, dass die Marken lediglich in den drei Gemeinden Geltung hatten. Es scheint daher so zu sein, das sie nicht nur als Klingelbeutelgeld verwendet, sondern auch in den drei Orten als Kleingeldersatzmarken akzeptiert wurden.

Schlickeysen bildet in dem besagten Artikel auf Tafel VII,4 nur die Marke aus Schwerta ab:

Marke der Kirche zu Schwerta
VG = von Gersdorf 1800 / KZS = Kirche zu Schwerta
Messing, Durchmesser unbekannt
(Quelle: Artikel s.o., Tafel VII,4)
Marke der Kirche zu Volkersdorf
VG = von Gersdorf 1800 / KZV = Kirche zu Volkersdorf
Messing, Durchmesser unbekannt
(Achtung: Die Darstellung wurde nach der Beschreibung der Marke im Text mit einem Bildbearbeitungsprogramm erstellt!)
Marke der Kirche zu Meffersdorf
VG = von Gersdorf 1800 / KZM = Kirche zu Meffersdorf
Messing, Durchmesser unbekannt
(Achtung: Die Darstellung wurde nach der Beschreibung der Marke im Text mit einem Bildbearbeitungsprogramm erstellt!)

Die drei Marken wurden auch von Josef Neumann (Beschreibung der bekanntesten Kupfermünzen, Band V, Prag 1868) unter Nr. 31542-31544 beschrieben, nähere Hinweise auf die Herstellung und die historischen Hintergründe waren ihm entweder unbekannt oder nicht wichtig.

Ob heute noch Exemplare dieser Marken existieren ist unbekannt. Sollte ein Leser das eine oder andere Exemplar kennen bzw. vorliegen haben wären wir für ein Hinweise dankbar.

Achtung: Hier eingefügte Links können nicht ständig überprüft werden, daher keine dauerhafte Garantie für deren Gültigkeit!
Sollten Sie einen funktionslosen Link finden würde ich mich über einen Hinweis unter info@wertmarkenforum.de freuen.


26. Februar 2020

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