unbekannter Ausgabeort: Sedan-Feier 1879 (Biermarke)

WMF-Nr. 10333

Foto: Bernd Thier

VS: SEDAN-FEIER | BIERMARKE | 1879 | Abb. Zierelemente (im doppelten Fadenkreis)
RS:
leer
rund / Karton, gestanzt, Druck rot / ø 25,1 mm / Stärke 0,29 mm
Markentyp: Biermarke

Hersteller: unbekannt
Datierung: 1879
Sammlung: T / Meldung: Bernd Thier
Verfügbarkeit: diese Marke stände als Tauschobjekt zur Verfügung, Anfrage bitte unter info@wertmarkenforum.de
Literatur: Menzel (digitale Ausgabe 2018): / ; WMF (Hefte): /

Anmerkung: Diese Marke wird von Werner Helmut Stahl im Katalog der Frankfurter Marken aufgeführt (S. 456, Nr. 530), da sich ein Exemplar in der Sammlung im Historischen Museum Frankfurt befindet. Dies allein ist aber kein Beleg für die Zuweisung zu dieser Stadt, denn Sedanfeiern fanden zur damaligen Zeit im ganzen Deutschen Reich regelmäßig statt, und Biermarken fanden dabei sicherlich ebenfalls oft Verwendung:

Der Sedantag (auch Tag von Sedan oder Sedanstag) war ein Gedenktag, der im Deutschen Kaiserreich (1871–1918) jährlich um den 2. September gefeiert wurde. Er erinnerte an die Kapitulation der französischen Armee am 2. September 1870 nach der Schlacht bei Sedan, in der preußische, bayerische, württembergische und sächsische Truppen nahe der französischen Stadt Sedan den entscheidenden Sieg im Deutsch-Französischen Krieg errungen hatten. Nach der Kapitulation seiner Armee hatte sich der französische Kaiser Napoleon III. der persönlichen Gefangenschaft des preußischen Königs Wilhelm I. überlassen.

Anlässlich dieses Tages wurden ab 1871 im ganzen Deutschen Kaiserreich an zentralen Plätzen Siegesdenkmäler errichtet und meist mit feierlichen Zeremonien am Vortag des Sedantages eingeweiht.

Im Zuge der Reichsgründung 1871 in Versailles mehrten sich in Deutschland jene Stimmen, die nach einem gemeinsamen nationalen Feiertag verlangten, und es lag nahe, das Datum der Kaiserproklamation am 18. Januar als Gedenktag vorzuschlagen.

Bereits im Frühjahr 1871 richtete ein Gremium von Persönlichkeiten aus kirchlich-evangelischen und liberalen Kreisen eine Petition an Kaiser Wilhelm I. mit der Bitte, einen Tag zu benennen, der als Stiftungstag des Reiches gefeiert werden könnte. Der Kaiser lehnte den 18. Januar jedoch ab, da dieses Datum zugleich der Tag der ersten preußischen Königskrönung war, die nicht in den Schatten eines deutschen Feiertages geraten sollte. Man erhoffte sich statt verordneter Feiern vielmehr, dass – ähnlich wie zur Erinnerung an die Völkerschlacht bei Leipzig – durch spontane Gedenkfeiern innerhalb der Bevölkerung das Gedächtnis an die Ereignisse des Krieges bewahrt würde.

Im Juni 1872 machte der westfälische Pastor Friedrich Wilhelm Bodelschwingh einen erneuten Versuch und schlug den 2. September, das Datum der Kapitulation Napoleons III. in Sedan, die so eng mit der Gründung des Kaiserreiches verbunden war, als Datum für ein Dank- und Friedensfest vor.

Bis 1873 setzte sich der Sedantag mehr und mehr als Feiertag gegenüber einem ebenfalls erwogenen, jährlich wiederkehrenden Frühlingsfest am Stiftungstag des Deutschen Reiches (18. Januar 1871) oder Feierlichkeiten zum Friedensschluss in Frankfurt (10. Mai 1871), wie ihn beispielsweise der Magistrat von Berlin favorisierte, durch. Er erlangte aber nie amtlichen Charakter, da Wilhelm I. ihn nicht zum offiziellen Feiertag erklären wollte. Auch kam ihm niemals die Bedeutung etwa der „Kaiserparade“ oder der Feierlichkeiten anlässlich des Kaisers Geburtstags zu. Da der Sedantag seit 1873 jedoch auf Anordnung des preußischen Kultusministeriums durch Festveranstaltungen an Schulen und Universitäten gefeiert wurde, hatte er zumindest den Charakter eines offiziellen Erinnerungstages an den Deutsch-Französischen Krieg. In vielen deutschen Städten und Dörfern wurde an diesem Tag das Kriegerdenkmal eingeweiht.

Seit Beginn der Sedanfeiern schieden sich die Geister daran, welche Inhalte die Feierlichkeiten haben sollten. Durch die Einweihung der mit erbeuteten Kanonen aus dem Deutsch-Französischen Krieg verzierten Berliner Siegessäule am 2. September 1873 wurde die militärische Komponente der Reichseinigung deutlich betont, zumal unter den Gästen – Mitglieder der kaiserlichen Familie, eine Vielzahl deutscher Fürsten sowie militärische Abordnungen aus dem ganzen Reich – eindeutig die Uniformen dominierten. Dieser Aspekt wurde durch die von Kaiser Wilhelm I. ab 1873 alljährlich anlässlich des Sedantages abgehaltene Militärparade des Gardekorps noch unterstrichen. Für Wilhelm I. war und blieb der 2. September vor allem ein Ehrentag der Armee, insbesondere der preußischen Armee. Zwar fanden die Paraden aus Termingründen nicht jedes Jahr am 2. September statt, der symbolische Bezug zum Sedantag blieb jedoch auch in den folgenden Jahren erhalten und trat erst unter Kaiser Wilhelm II. in den Hintergrund, nachdem dieser die Paraden auf Mitte August verschoben hatte.

Daneben gab es aber auch zivile Ansätze zur Ausgestaltung der Sedanfeiern. Der Rheinisch-Westfälische Provinzialausschuss für Innere Mission schlug vor, was er unter einem „typisch deutschen“ Fest für das gesamte Volk verstand: der Vorabend des 2. September würde mit dem Absingen patriotischer Lieder, Freudenfeuern und Glockengeläut begangen werden. Der Sedantag selbst sollte mit Umzügen der Veteranen und Offiziere, begleitet von der Ortsobrigkeit, durch festlich geschmückte Straßen hin zur Kirche begonnen werden, wo Lobreden, Dankesgebete und Predigten abzuhalten waren. Das Mittagsmahl sollten die Menschen im Familienkreis einnehmen und nachmittags sollten Feierlichkeiten im Freien mit Musikkapellen, Festreden, dem Absingen alter und neuer vaterländischer Lieder sowie Volksbelustigungen aller Art vorgenommen werden. Der Abend endete, festlich illuminiert, wiederum in Feiern im Familienkreis. In einigen Städten – vor allem in Leipzig, Coburg, Braunschweig, Worms und Stettin – wurden neben den militärischen Vereinen, wie etwa den Veteranenverbänden, auch die Turnerschaften in die Feierlichkeiten mit einbezogen.

Den Ablauf einer schulischen Sedanfeier im holsteinischen Bargteheide schildert eine Volksschülerin in einem Aufsatz vom 12. September 1912:

    „Unsere Sedanfeier – In diesem Jahr wurde unsere Sedanfeier ganz besonders schön gefeiert. Die Feier, die sonst gewöhnlich in der Schule stattfindet, fiel in diesem Jahr aus. Wir hatten eine besondere Feier am Nachmittag. Im geschlossenen Zug marschierten wir, voran unser Pfeifen- und Trommelkorps, nach dem Turnspielplatz. Aus den umliegenden Dörfern waren die Knaben gekommen, um an den Wettspielen teilzunehmen. Es wurden turnerische Übungen vorgeführt. Wir Mädchen mußten im Kreis spielen und einen Reigen machen. Des Abends wurde eine Stunde getanzt. Zum Schluß sangen wir: „Deutschland, Deutschland über alles“, und so war die schöne Feier beendet. Die Schlacht bei Sedan war nicht die gewaltigste, aber die bedeutendste Schlacht, weil Napoleon gefangen genommen wurde. Der Sedantag ist darum der bedeutungsvollste Tag.“

Um 1890 erlebte der Sedantag eine Wandlung seiner Bedeutung. War er bis dahin hauptsächlich eine alljährlich wiederkehrende militärische Siegesfeier anlässlich der Schlacht von Sedan, so stand jetzt mehr und mehr die Reichseinigung im Vordergrund. Ein Grund hierfür lag im Generationenwechsel innerhalb der Kaiserdynastie. Wilhelm I. sah sich in erster Linie noch als König von Preußen, und der Sedantag war für ihn die Erinnerung an einen preußischen Sieg, der die Errichtung eines Reiches zur Folge hatte, dessen Krone er nur widerwillig angenommen hatte. Sein Enkel Wilhelm II. jedoch, der seit 1888 regierte, fühlte sich vor allem als deutscher Kaiser, und als solcher förderte er diese nationale Komponente der Sedanfeiern. Gleichzeitig war der Tag auch für ihn vor allem ein Militärjubiläum, wobei er nie müde wurde, an Disziplin und militärische Pflichterfüllung zu appellieren. Darüber hinaus versuchte er die Mythologisierung der Schlacht von Sedan sowie den Personenkult um seinen Großvater zu fördern, wie die termingerechte Einweihung einiger Kaiser-Wilhelm-Denkmäler, etwa 1894 in Königsberg und 1896 in Breslau, zeigen.

Auch im Volk spielte mit der wachsenden zeitlichen Distanz zu den Ereignissen von 1870/1871 die Herausbildung einer gesamtdeutschen Identität eine immer größere Rolle. Die Bevölkerung fühlte sich inzwischen zu sehr als deutsche und hatte die Existenz eines Reiches verinnerlicht, als dass der Sedantag eine rein preußische Siegesfeier bleiben konnte. Ein Vorstoß in diese Richtung war der Vorschlag des Zentralausschusses für Volks- und Jugendspiele von 1894, der jedoch nie verwirklicht wurde. Dieser sah vor, die Komponente der Reichseinigung bei den Feierlichkeiten stärker zu betonen und zu diesem Zwecke anlässlich des Sedantages eine Art „nationales Olympia“ zu veranstalten.

Erschwert wurde die Sinngebung durch die politischen Ereignisse der Jahrhundertwende. Während der Niederschlagung des Boxeraufstandes in China kämpften deutsche und französische Truppen Seite an Seite für ein gemeinsames Ziel. Es schien zweifelhaft, ob es unter diesen Umständen noch angebracht war, einen Tag zu feiern, der schon durch seinen Namen den ehemaligen Sieg des einen Waffenbruders über den anderen glorifizierte und in Frankreich immer wieder schmerzliche Erinnerungen an die Niederlage sowie an die Abtretung Elsaß-Lothringens weckte und den dort vorhandenen Revanchismus fördern konnte. Tatsächlich nahm auch das Interesse am Sedantag um die Jahrhundertwende in Deutschland stark ab, auch wenn versucht wurde, die Erinnerung an die Ereignisse wach zu halten, indem sogenannte „Sedanbüchlein“ herausgegeben wurden, die den damaligen Kriegsverlauf schilderten und glorifizierten. Lediglich zu runden Jubiläen, wie etwa dem 25. Jahrestag 1895 oder dem 40. Jahrestag 1910, gelang es, die Idee der Sedanfeiern kurzfristig wieder zu beleben. Wurde der Tag 1897 im Gothaischen Hofkalender noch in zehn Bundesstaaten als Feiertag erwähnt, fehlt diese Klassifikation für 1915 völlig, und nur in sechs Staaten wurden überhaupt noch Veranstaltungen durchgeführt. Allerdings spielt hierbei auch der Ausbruch des Ersten Weltkriegs eine große Rolle.

Das Aus für den Sedantag kam am 27. August 1919, als das Innenministerium der Weimarer Republik erklärte, es werde keine Sedanfeiern mehr geben, da diese nicht mehr den Zeitverhältnissen entsprächen. (Quelle: Wikipedia)

Suchbegriffe: Sedan Feier Biermarke 1879

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15. Februar 2020

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