Ottendorf: Consumverein (Brotmarke)

Beitrag von Heinz Lachmann und Bernd Thier (WMF Nr. 10367)
(Bayern)

Foto: Heinz Lachmann

Ottendorf, Consumverein

VS: • ∗ •  CONS. VER.  • ∗ •| 1 | BROD | OTTENDORF (im Perlkreis im Stabrand)
RS:
eingeschlagen 3 x der Buchstabe K übereinander (KKK) auf leerer Fläche (im Perlkreis im Stabrand)
rund / Zink, vernickelt / ø 20,0  mm
Markentyp: Brotmarke

Hersteller: unbekannt
Datierung: 1910/1920
Sammlung: HL
Literatur: Menzel (digitale Ausgabe 2018): noch nicht, wird Nr. 51627 / ; WMF (Hefte): /

Anmerkung: Der Konsum-Verein Ottendorf eGmbH wurde 1891 gegründet und bestand auf jeden Fall bis nach 1905. Zu dieser Zeit hatte er immerhin 180 Mitglieder (Hasselmann, Consumvereine, S. 197). Das damalige Dorf Ottendorf ist heute ein Ortsteil von Ludwigsstadt.

Die altertümliche Schreibweist BROD mit D stadt T weist darauf hin, das die Brotmarke auf jeden Fall vor der einschneidenden Rechtschreibreform im Jahr 1901, also vermutlich um das Gründungsjahr des Vereins 1891 entstanden ist.

Interessant und ungewöhnlich sind die drei Einschläge des Buchstabens K auf der Rückseite. Spontan erinnert dies im Zusammenhang mit der Angabe BROD an das sogenannte K-Brot (Kriegsbrot) des Ersten Weltkriegs:

„Bereits zu Beginn des Ersten Weltkriegs mussten die Bäcker ihre Erzeugnisse mit Kartoffelmehl strecken. Es gab zwei Qualitäten: K-Brot (erhältlich als Feinbrot oder Schwarzbrot) enthielt 10–20 % Kartoffelmehl bzw. Kartoffelflocken, KK-Brot über 20 %. Im Januar 1915 wurde neben Kartoffelprodukten auch Gerstenmehl, Gerstenschrot und Kleie als Zusatz im K- und KK-Brot freigegeben. Im Mai 1916 kamen Mais- und Leguminosenmehl hinzu. Mais und Hülsenfrüchte wurden bald rar und teuer. Von größerem praktischem Wert für die Versorgung der Bevölkerung mit billigem Brot waren deshalb nur Gerstenmehl und -schrot. Im Winter 1916/17 wurden auch die Kartoffeln knapp. Daraufhin ersetzte Mehl aus getrockneten Steckrüben zeitweise das Kartoffelmehl.“ (Quelle: Hungerbrot bei Wikipedia)

Scherz-Propaganda-Postkarte auf die Rationierung und Streckung von Lebensmitteln im Ersten Weltkrieg, Verlag S. & . G in S. i .B, Vierfarbdruck, um 1915, mit K-Kartoffel, K-Brot und K-Wurst im Gleichschritt, Privatsammlung Bernd Thier (Foto: Bernd Thier)

Daher könnte diese Marke auch noch während des Ersten Weltkrieges an der sogenannten Heimatfront in Ottendorf herausgegeben und verwendet worden sein. Ob das 3-fache K für KKK-Brot stand, das demnach noch mehr Kartoffelmehr entkielt als das K- oder KK-Brot, läst sich natürlich nicht mehr ermitteln. Vielleicht steht das K für Konsum oder Konsumverein.

Suchbegriffe: CONS. VER. 1 BROD OTTENDORF

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2. April 2021

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