München: Adam Storz (Messer- oder Scherenschleifermarke)

(Bayern) WMF-Nr. 10361

Adam Storz, Messer- und Schlittschuhfabrikantionsgeschäft, Marienplatz 17, München

Foto: Bernd Thier

VS: A. STORZ | MARIENPLATZ | MÜNCHEN | A 676 (eingeschlagen)
RS:
leer
rund / Kupfernickel / ø 24,9-25,1  mm / Stärke 0,61  mm / oben gelocht, Lochung ø 4,7 mm
Markentyp: Reparaturmarke, hier vermutlich Scherenschleifermarke oder Messerschleifermarke

Hersteller: in der eigenen Fabrik, d.h. Anton Storz, München
Datierung: um 1900/1910
Sammlung: BT  / Meldung: Bernd Thier
Verfügbarkeit: diese Marke stände als Tauschobjekt zur Verfügung, Anfrage bitte unter info@wertmarkenforum.de
Literatur: Menzel (digitale Ausgabe 2018): / ; WMF (Hefte): /

Die ungewöhnlich einfach gefertigte, sehr dünne Marke aus einer nicht magnetischen Kupfernickellegierung (Weißmetall / Neusilber) erinnert mit der eingeschlagenen Kontrollnummer zuerst an eine Werkzeugmarke. Eine Recherche im Internet zeigt, das es sich bei der ausgebenden Firma von Adam Storz um eine Messerwaren- und Schlittschuhfabrik handelt, in der Anfang des 20. Jahrhunderts Messer, Rasiermesser, Wiegemesser, aber eben auch  Schlittschuhe gefertigt wurden. Zahlreich sind z.B. die überlieferten Werbevignetten aus der Zeit um 1910/1920. Der vorherige Eigentümer (vor 1900) war Georg Üebelacker,  Adam Storz war bis 1918 auch Königlich Bayerischer Hoflieferant.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Storz.jpg

Werbevignette der Firma Anton Storz, München, Papier, um 1910 (Privatbesitz)

Die Fabrikation von Messern und offenbar auch Scheren lässt für diese Marke daher an eine besondere Funktion denken: Von Geschäftsinhabern, die Ausbesserungs- bzw. Reparaturarbeiten ausführten, wurden sogenannte Reparaturmarken an die Kunden als Beleg (Belegzeichen, Abbholmarken) für erhaltene Ware ausgegeben, mit deren Rückgabe allein das Eigentum zurückgefordert werden konnte. Vornehmlich handelte es sich hierbei um Juweliere, Uhrmacher, Regenschirm-Hersteller, Handschuhmacher, Wäschereien oder Optiker. In Ähnlicher Form kennt jeder solche Marken aus Papier z.B. von Reinigungen, oder auch Abholzettel in Apotheken oder beim Optiker bis heute. In manchen Bereichen waren allerdings Marken aus Papier oder Pappe unpraktisch, vor allem wenn mit den angegebenen Gegenständen grob umgegangen wurde.

Die war u.a. bei Messer- bzw. Scherenschleifereien der Fall, hier verwendete man daher immer, bis heute, Marken aus Metall. Grundsätzlich war hierbei ein Stück gelocht (so auch das hier vorliegende), das an den zu behandelnden Gegenstand (hier vermutlich eine Schere oder ein Messer) mit einem Faden befestigt wurde und ein zweites Stück, ungelocht, mit der gleichen Kontrollziffer. Diese Marke berechtigte dann die Abholung des fertig geschäften Objekts (nach: Hasselmann). Alos gab es immer zwei Marken mit der gleichen Kontrollnummer, einmal gelocht, einmal ungelocht. Daher handelt es sich hier wohl um eine Scherenschleifer- oder Messerschleifermarke.

Interessant ist nun die Machart der Marke, denn der eingeschlagene oder vermutlich sogar mit einer Stanzmaschine eingeprägte Schriftzug A. Storz Marienplatz München ist in der ovalen Form eher untypisch für eine runde Marke. Man kann davon ausgehen, dass die Marken in der Firma selbst hergestellt wurden, denn auch das Material Neusilber war dort für die unterschiedlichsten Fertigungen immer vorhanden.  Schaut man sich die von Adam Storz produzierten Messer genauer an, erkennt man auf der Klinge genau den Schriftzug als Herstellerkennzeichnung, der auch auf der Marke eingeschlagen wurde. Daher verwendete man Punzen, die bereit in der Fabrik vorhanden waren. Die Einschläge sind jedoch nicht stempelgleich, bei der großen Fabrikationsmenge wurden parallel und natürlich im Laufe der Jahre zahlreiche verschiedenen Varianten verwendet.

Herstellerpunze der Firma A. Storz, München, auf einem Messer, um 1900 (Privatbesitz)

Auf den im Internt zu findenden Rasiermessern sieht der  Schriftzug vollständig anders aus.

Die Marke ist daher ein schönes Beispiel dafür, das man zur Herstellung und Identifizierung der genauen Funktion mancher Marken zahlreiche Hinweise im Internet finden kann.

Litertatur:

Wolfgang Hasselmann, Marken und Zeichen Lexikon. Lexikon für die im deutschsprachigen Raum aus Metall geprägten Marken und Zeichen in 4 Bänden (erschienen als PDF auf CD).

Suchbegriffe: A. Storz Marienplatz München

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26. Dezember 2020

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