Humorvolles Buch zur Entstehung der Hundesteuer(Marken)

Buch Steuerromantik
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Foto: Bernd Thier

Beitrag von Bernd Thier

Nicht nur Wertmarkenkataloge können für Sammler interessant sein. Beschäftigt man sich auch mit den direkten – nichtnumismatischen – Hintergründen für bestimmte Markenausgaben finde man manchmal auch „abseitige“ Literatur. Solch ein Buch möchte ich hier vorstellen:

Alfons Pausch, Steuerromantik rund um Bettina von Arnims Hundesteuerprozeß, Verlag Dr. Otto Schmidt KG, Köln, 1978.

In diesem Band, von dem Juristen Dr. Alfons Pausch aus Königswinter verfasst, geht es u.a. um den in den frühen 1840er Jahren verhandelten Fall um die Einführung der Hundesteuer als Luxussteuer für „Luxushunde“ (hier ein Pudel). Die Klägerin, die mit der Besteuerung nicht einverstanden war, war niemand geringerer als die Hundebesitzerin Bettina von Arnim (geborene Elisabeth Catharina Ludovica Magdalena Brentano, auch Bettine; * 4. April 1785 in Frankfurt am Main; † 20. Januar 1859 in Berlin). Sie war eine deutsche Schriftstellerin und eine bedeutende Vertreterin der deutschen Romantik (Quelle und weitere Informationen: Wikipedia).

Natürlich kommen in diesem Zusammenhang auch die damals eingeführten Hundesteuermarken – bis heute die Belege für die entrichtete Steuer – zur Sprache (einige werden auch als Beispiele jüngerer Zeit abgebildet). Der Band ist amüsant zu lesen und liefert interessante Einblicke in die Welt des Bürgertums in der Biedermeierzeit.

Aus dem Vorwort: Betroffen darüber, was viele Menschen von der heutigen Steuerkultur halten, habe ich mein berufliches Leben lang nach den einschlägigen Verhältnissen in früheren Zeiten geforscht. Sorgsam durchsuchte ich Archive, Museen und Nachlässe verewigter Steuerzensiten, Steuerkonsulenten, Steuereinnehmer und Finanzminister. Hin und wieder versuchte ich, einiges zu Papier zu bringen, um das steuerbetroffene Publikum Anteil an den oft verblüffenden Sammelergebnissen nehmen zu lassen. Vor kurzem aber dachte ich, mich tritt mein Steckenpferd! Ging mir doch aus dem Nachlaß der berühmtesten deutschen Romantikerin eine Steuerprozeßakte zu, die auf seiten der weiblichen Steuerschuldnerin und ihres Beraters geradezu heroische Züge trägt. Meine bessere Hälfte, noch über das ,,Jahr der Frau” raisonnierend und für ein baldiges ,,Jahr des Hundes” schwärmend, schleppte aus ihrer Raritäten-Kollektion die Ordner ,,Romantik” und ,,Hundesteuer” herbei mit dem Ruf: ,,Auf zum Diktat!” Ich wurde davon überzeugt, daß die Niederschrift sowohl für die Steuerfachwelt als auch für die Freunde der Romantik und nicht zuletzt für die Millionen Hundeliebhaber notwendig ist.

Inhaltsübersicht:

I. Aktenstück
Exekutionsbefehl
Eingabe von Bettina von Arnim
Schriftsätze des Justizrats Jung

II. Hintergründe
Bettina als Romantikerin
Bettina als Steuerpflichtige
Die Steuern im Lichte der Frühromanti
Die Romantisierung der Hundesteuer
Heinrich von Kleist zur Hundesteuer
Die Entromantisierung der Hundesteuer
Der Übergang zum poetischen Steuer-Realismus

III. Prozeßbericht

Das Buch ist nur noch antiquarisch erhältlich, u.a. aber sehr preiswert bei Amazon


6. Februar 2016

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